Ich gebs zu, ich habe bisher jede Staffel DSDS mehr oder weniger verfolgt, genauso wie Popstars, genauso wie GNTM – das Zeug läuft seit fast 10 Jahren, und solange ich das noch halbwegs verfolge, fange ich zumindest nicht an, mich alt zu fühlen. Mit jedem Jahr verpasse ich mehr Sendungen, und Mitfreu-Momente werden seltener, dafür denk ich mir immer öfter “warum macht denn keiner was?”. Ich fühl mich nicht als Mittäter, weil ich mir den Schund anschau, ganz und garnicht. Ich mach auch niemandem einen Vorwurf. Ist ja mittlerweile fast egal, WAS man kuckt, das Prinzip ist überall ähnlich. Ich wünsche mir das Familienduell zurück, und “Der Preis ist heiß”, weil da ganz normale Leute lustige Sachen gemacht haben, und das Publikum angefeuert und sich mitgefreut hat. Und mitgelitten. Aber Harry Wijnfoord hat nicht höhnisch grinsend dem Verlierer prophezeit, dass er es mit dieser Einstellung nie zu etwas bringen kann. Man konnte nicht verlieren – höchstens nicht gewinnen. Und dann hatte man trotzdem Spaß gehabt. Continue Reading »
Vom Genießen
Arbeitstitel: Geschmackssachen können zu Genuss-Sucht führen
Der viel zitierte technische Fortschritt hat uns so einiges beschwert, hoppla, beschert – beispielsweise erdgasbetriebene PKW, Ebay, und Abkürzungen wie UMTS, HD-TV und HSDPA. Die meisten Errungenschaften des 21. Jahrhunderts zielen darauf ab, den Alltag zu erleichtern, alles einfacher, schneller und wirtschaftlicher zu machen.
Dass eine Gemüsesorte gerade Saison hat, merkt man heute am Preis, nicht am Geschmack, wir kennen Drachenfrucht und Physalis, aber nicht die regionalen Kartoffelsorten, Milch ist “länger frisch”, fettarm, kondensiert, pasteurisiert, ultrahocherhitzt oder gleich aus Soja. Fernsehköche als Tütensuppen-Testimonials oder im Duell mit einem Lieferservice sieht man täglich. Und spätestens seit dem “don´t call it Schnitzel” für den Toaster steht fest, dass es immer noch ein bisschen geschmackloser geht.
Geschmack ist subjektiv, wechselhaft, schwer einzuschätzen und individuell. Geschmack steuert die verschiedensten Sinne an. Eine einzige Mirabelle frisch von einem Baum bringt Kindheitserinnerungen zurück und kann ebenso wertvoll sein wie ein 12 Gänge Menue. 12 Gänge wiederum werden zur Qual, wenn man mit dem Tischnachbarn auf Kriegsfuß steht. Wir lassen uns nicht über unseren Geschmack kategorisieren, aber unser Geschmackssinn passt sich rasend schnell an, wir verlernen, wie etwas wirklich schmeckt und lernen dafür süß, sauer, salzig, bitter, umami und fettig zu unterscheiden. Und am Ende müssen wir doch wieder zu dem Schluss kommen, dass es keine Kompromisse gibt, wenn es um Genuss geht. Den eigenen oder den anderer.





