Familiensinn à la RTL

Ich gebs zu, ich habe bisher jede Staffel DSDS mehr oder weniger verfolgt, genauso wie Popstars, genauso wie GNTM – das Zeug läuft seit fast 10 Jahren, und solange ich das noch halbwegs verfolge, fange ich zumindest nicht an, mich alt zu fühlen. Mit jedem Jahr verpasse ich mehr Sendungen, und Mitfreu-Momente werden seltener, dafür denk ich mir immer öfter „warum macht denn keiner was?“.  Ich fühl mich nicht als Mittäter, weil ich mir den Schund anschau, ganz und garnicht. Ich mach auch niemandem einen Vorwurf. Ist ja mittlerweile fast egal, WAS man kuckt, das Prinzip ist überall ähnlich. Ich wünsche mir das Familienduell zurück, und „Der Preis ist heiß“, weil da ganz normale Leute lustige Sachen gemacht haben, und das Publikum angefeuert und sich mitgefreut hat. Und mitgelitten. Aber Harry Wijnfoord hat nicht höhnisch grinsend dem Verlierer prophezeit, dass er es mit dieser Einstellung nie zu etwas bringen kann. Man konnte nicht verlieren – höchstens nicht gewinnen. Und dann hatte man trotzdem Spaß gehabt. Read more…

Meine Stadt: Twitter 2, Geschichte 6

Eigentlich wollte ich nur recherchieren, wie lange es den Zirkel schon gibt, weil die Jahreszahl 1999 nicht ganz mit den Erzählungen meines Dads von unerbittlichen Türstehern und eingebildeten Studi-Schnöseln in Einklang zu bringen ist. 1999 wäre eher ich dort anzutreffen gewesen als mein Dad.

Gelandet bin ich auf der Homepage meiner über alles geliebten Geburtsstadt, und ich als echtes Erlanger Kindl, als Ursprungsprodukt sozusagen, wie alle Erlanger nach dem Reinheitsgebot gebraut, also ich hätte mal eine Frage an die Verantwortlichen, ganz ernst: Kriegt man bei der Stadt den Passierschein A38?

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Mein Handy ist Bayern-Fan

…fehlt nur noch, dass es auch ohne Akku in den Vereinsfarben leuchtet – reicht aber auch so. Fakt ist, die zwei Menütasten meines Sony Ericsson W580i rechts und links leuchten, eine rot und eine blau, und das ständig – auch wenn das Handy aus ist.  Ich hab das Akku raus und wieder rein, sobald das Ding wieder Saft hat leuchtets fröhlich vor sich hin. Google spuckt nichts aus, wobei, kann man so nichtmal sagen – das Modell würden viele, drücken wir es so aus, nicht unbedingt ihrer besten Freundin empfehlen. Aber die rot-blaue-Leuchtpest hab anscheinend nur ich.

Gut, lass ich eben dieses Update drüberlaufen und wenn das nicht hilft, müssen die Werkseinstellungen her, dann bin ich mit meinem Latein am Ende. Rot und blau. Am Ende ist das ein perfider Bayern München-SonyEricsson-Guerilla-Marketing-Schachzug. Komm´ich jetz´in Fernsehn?

Update: Hell yeah, meine Kontakte haben sich halbiert, telefonieren geht nur noch in einem von 50 Fällen, aber ansonsten alles wie gehabt. Eine Taste rot, eine Taste blau. Es reicht echt.

Im Prinzip aus Prinzip ohne Prinzip

Ich habe keine Prinzipien. Ich versuche zumindest, keine zu haben. Eigentlich denke ich, dass man Prinzipien garnicht „haben“ kann. Man kann sie anwenden, zum Beispiel das „Schicht-für-Schicht“-Prinzip, mit dem mein Bruder seinen Erdbeerkuchen isst. Mann kann alles mit einem Prinzip machen. Aber man kann nicht etwas mit einem Prinzip NICHT machen. Und schon garnicht kann man etwas aus einem Prinzip machen oder nicht machen.

Ein Prinzip hat sich mal jemand ausgedacht, oder man stößt zufällig darauf, wie auch immer, es ist eine Art, eine Möglichkeit, ein Vorschlag, wie etwas geht oder gehen kann. Aber nie ein „nur so und nicht anders, Abweichungen unmöglich“. Ein Prinzip kann man sich abschauen und „danke“ sagen, oder selbst eines erfinden, wenn es noch kein perfektes gibt. Man kann sogar eines weiterentwickeln. Es ist etwas Hilfreiches, es öffnet Möglichkeiten, macht etwas leichter.

Und zu was haben wir es gemacht? „Ich rede nicht mit Schwarzen!“, „Ich kaufe nicht bei Aldi!“, „Ich schau keine Castingshows!“ – „Warum?“ – „Aus Prinzip!“. Wer weder Erklärung noch triftigen Grund hat, hat ein Prinzip. Ein Prinzip gibt uns heute die Absolution, uns selbst und andere einzuschränken und unser Schubladendenken hinter etwas zu verstecken, was nach Reife, Durchsetzungsvermögen und geistiger Größe aussieht. „Der Mann hat seine Prinzipien!“ – Geschenkt. Ich habe Gründe.

Ich kaufe nicht „hauptsache billig“ ein, wenn der Verdacht besteht, dass dafür notleidende Menschen ausgebeutet werden. Das ist ein Luxus, den ich mir zum Glück leisten kann. Ich lehne aber nichts aus Prinzip ab, nur weil es billig ist. Ich will nicht die Welt verbessern, ich versuche auf mein Karma zu achten und nicht zuletzt will ich mein Handeln vor mir selbst rechtfertigen und verantworten können. Und vor anderen. Selbst „Meine Eltern haben das auch schon so gemacht.“ ist ein Grund, vielleicht nicht immer ein guter, aber ein Grund. Wer Gründe hat, hat nachgedacht.

Und noch etwas – wenn ich etwas aus Prinzip ablehne, wie sehr schränke ich mich dann selbst ein? Würde ich aus Prinzip keinen deutschen Hip Hop hören, könnte ich mich vielleicht vor ner Menge Schrott schützen – aber ich hätte Thomas D. nicht zum Thema für meine Facharbeit machen können. Aus Prinzip entsteht nichts neues. Und so ist es doch mit allem. Im Prinzip.