Märchenweb 2.0

Da waren sie wieder, meine drei Probleme – jeden Tag wandern neue Bookmarks in den „Try!“-Ordner, heraus wandern sie aber nicht mehr so leicht, und je länger sie da liegen, desto mehr Zeit haben sie, sich von selbst zu vermehren. Die Add-Ons machen es sich bei den Plugins gemütlich, Wid und Gad, die zwei Gets, sind meist auch mit von der Partie – das bunte Treiben im Märchenwald, den sie „Web“ nennen, hört einfach nicht auf. Nur wenn einer der großen Browser durch den Wald poltert, verkriechen sich die Wusler in ihre Bauten. Kaum ist das Poltern verklungen, kommen sie dafür umso fröhlicher wieder heraus und haben meist noch etwas Kleines im Gepäck. Meist laufe ich staunend herum und nehme mir vor, jedes einzelne der kleinen Wesen genau zu studieren – seine Eigenheiten, seine Fähigkeiten. Manche erweisen sich als fleißige Helferchen, manche sind einfach nur da, um süß auszusehen und den ganzen Tag geknuddelt zu werden. Aber auch wenn ich das Gefühl habe, schon eine kaum zählbare Anzahl verschiedener Ins, Ons und Gets gesehen zu haben, weiß ich, dass dieses Abenteuer gerade erst angefangen hat.

Darum gehe ich so gern hier herum – entdecke neue Orte, neue Gewächse, lerne Spurenlesen, lege selbst Fährten aus, falls jemand zufällig auf meinen Weg stößt. Ab und an begegne ich anderen Streifzüglern, die mal mehr, mal weniger genaue Vorstellungen davon haben, woher sie kommen, wo sie sich befinden und in welche Richtung sie weitergehen sollen. Man kann sich nicht verlaufen, weil es keinen „richtigen“ Weg gibt, aber es kommt vor, dass man im Kreis geht, ohne es zu merken, weil Wegweiser verstellt wurden oder unleserlich sind.

Oder weil es jemand darauf anlegt. Denn natürlich gibt es auch Gefahren im Web-Märchenwald. „Bitte nicht füttern“ steht auf einem Schild neben dem Phantombild eines Trolls, und mittlerweile erkennen die meisten Bewohner und Besucher, wenn sie es mit einem dieser kleinen Quälgeister zu tun haben. Doch es gibt auch Gefahren, die man nicht als solche erkennt. Manche nisten sich ein, wenn sie die Gelegenheit bekommen, und bis man bemerkt, dass man einen ungebetenen Gast mit sich herumträgt, hat dieser schon allerlei Unheil angerichtet. Andere bieten etwas Hilfreiches, Nützliches, Schönes oder Unentbehrliches, und lenken damit von dem ab, was dahinter steckt.

Also muss man aufmerksam sein, zuhören, genau hinsehen, lernen. Und wenn man den richtigen Weg nicht kennt, oder auf dem falschen unterwegs ist, gibt es genug Schilder, die man lesen, und andere Reisende, die man fragen kann.

Es ist wirklich schön da, in diesem Wald, den sie Web nennen.

Nerd-Shirt, An-t-Shirt, neue Domains und ein Test

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Nachdem der beste Programmierer von allen mir letzte Woche meinen perfekten DSL-Festnetz-Handy-MobilesInternet-alles-Flatrate-für-unter-30-Euro-Plan zu Nichte gemacht hat, bekam er gestern die Quittung in Form eines dezenten Hinweises auf den Lila-Stich seines nagelneuen, heißersehnten HTC Desire. Und nichtmal von mir. In Sekunden war das heißersehnte, langerwartete Schlaufon kein Quell der Freude mehr, vielmehr fürchtete der werte Kollege eine irreperable Schädigung seines Rufs. Als Mann, wohlgemerkt. Der Programmiererruf war klammheimlich neu priorisiert worden: auf W, wie Wikipedia. Denn dass die Wikipedia Anthrazit nicht als „möglicherweise auch ein bisschen Lila“ beschreibt, darf keine Entschuldigung sein – Wiikiiipeeediiiaaaa, als einzige Quelle, das wurde schon zu Schulzeiten bestraft (ante Berufsschule natürlich).

Nachdem viele gut gemeinte Ratschläge nicht fruchteten (das Desire mit Edding zu bemalen fand ich nichtmal besonders abwegig, allenfalls konsequent), war das Ende der wunderbaren Freundschaft zwischen dem besten Programmierer von allen und dem Schlaufon besiegelt. Derweil fährt das fehlfarbige HTC wieder nach Hause (armes Ding), und der Herr Kollege wird noch einmal drei Tage rumeiern, um am Samstag ein braunes Desire zu feiern.

Ha, und jetzt die Überleitung – vielleicht trägt er da ja ein Shirt aus meinem neuesten „Märchenweb“-Mitbringsel – dem An-t-Shirt-Shop. Da gibts Sachen für Nerds und gegen Mädchen. Und für Mädchen. Und für Nerd-Mädchen. Aber ganz sicher nix in Anthrazit – versprochen.

Wölfe, Schafe, Pelze

[pullquote]Wir hatten so große Angst davor, dem Wolf im Schafspelz zum Opfer zu fallen, dass wir nicht mehr schlafen, essen und arbeiten konnten.[/pullquote] Der Vorschlag klang narrensicher. Wir färbten die Schafe dunkel, bis wir sicher sein konnten, dass ein heller Fleck deutlich hervorstechen würde. Wir würden den Wolf im Schafspelz sofort erkennen, sollte er sich zeigen. In derselben Nacht fielen mehr Wölfe über unser Dorf her, als ich mir in meinen schlimmsten Träumen ausgemalt hätte. Und nicht ein einziger von ihnen musste sich tarnen. Read more…

Geschützt: Wer braucht das VZ? Ich net!

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Vom Genießen

Arbeitstitel: Geschmackssachen können zu Genuss-Sucht führen

Der viel zitierte technische Fortschritt hat uns so einiges beschwert, hoppla, beschert – beispielsweise erdgasbetriebene PKW, Ebay, und Abkürzungen wie UMTS, HD-TV und HSDPA. Die meisten Errungenschaften des 21. Jahrhunderts zielen darauf ab, den Alltag zu erleichtern, alles einfacher, schneller und wirtschaftlicher zu machen.

Dass eine Gemüsesorte gerade Saison hat, merkt man heute am Preis, nicht am Geschmack, wir kennen Drachenfrucht und Physalis, aber nicht die regionalen Kartoffelsorten, Milch ist “länger frisch”, fettarm, kondensiert, pasteurisiert, ultrahocherhitzt oder gleich aus Soja. Fernsehköche als Tütensuppen-Testimonials oder im Duell mit einem Lieferservice sieht man täglich. Und spätestens seit dem „don´t call it Schnitzel“ für den Toaster steht fest, dass es immer noch ein bisschen geschmackloser geht.

Geschmack ist subjektiv, wechselhaft, schwer einzuschätzen und individuell. Geschmack steuert die verschiedensten Sinne an. Eine einzige Mirabelle frisch von einem Baum bringt Kindheitserinnerungen zurück und kann ebenso wertvoll sein wie ein 12 Gänge Menue. 12 Gänge wiederum werden zur Qual, wenn man mit dem Tischnachbarn auf Kriegsfuß steht. Wir lassen uns nicht über unseren Geschmack kategorisieren, aber unser Geschmackssinn passt sich rasend schnell an, wir verlernen, wie etwas wirklich schmeckt und lernen dafür süß, sauer, salzig, bitter, umami und fettig zu unterscheiden. Und am Ende müssen wir doch wieder zu dem Schluss kommen, dass es keine Kompromisse gibt, wenn es um Genuss geht. Den eigenen oder den anderer.