Farbloser Augen-Blick

Was „Malen“ im weiteren Sinne angeht, bin ich eine Niete. Ausmalen und Muster kann ich, und eine CMYK-Farbpalette bringt mich zum Jauchzen, aber schon im Kindergarten hat sich herauskristallisiert, dass ich über Kartoffeldruck wohl nicht hinauskommen würde. Einen Gegenstand oder ein Tier malen zu können, aus dem Stegreif, lässt mich Bauklötze staunen.

Kennt jemand den Kinderfernsehen-Typ, der mit verschiedenfarbigen Wachsmalkreiden Fantasietiere gemalt hat, bei dem jedes Körperteil von einem anderen Tier war? Wahnsinn.

Ich bewundere meinen Cousin, der eine ganze Menge von dieser Art  künstlerischen Talents besitzt und es zum Beruf gemacht und Produktdesign studiert hat. Ich habe immer noch eine Zeichnung von ihm. Ein Auto, für ihn ein paar Striche, für mich Ausdruck einer Welt an Reichtümern, die ich nie erreichen werde. „Will ich auch können“ hab ich oft gedacht.

Vielleicht bewundere ich aber noch viel mehr, dass er die Möglichkeit so konsequent genutzt hat, seine Talente und Stärken nicht nur zu erkennen, sondern sich daraus eine Existenz zu schaffen. Vielleicht ist er mir ein besseres Vorbild, als er selbst weiß.

Also staune ich weiter und versuche garnicht, die Kunst des räumlichen Zeichnens zu beherrschen, sondern erkunde meine eigenen Welten, die genauso grenzenlos und voller Reichtümer sind. Und genieße jeden Augenblick.

via Pencil Sketch